Nach etwa zwei Stunden Fahrt taucht mein neuer Wohnort, Lugarawa vor mir auf, eine weitlaeufig verstreute Ansiedlung von Haeusern, das Zentrum mit dem Spital und dem Kloster der benediktinischen Nonnen,den Gaestehaeusern und den Schulen in der Talsohle gelegen, die Kirche und der Pfarrhof etwas weiter oben auf dem Huegel, der Ort umrahmt von sanften Huegelketten. Weit in die Haenge hinein ziehen sich die kleinen huettenaehnlichen Ziegelhaeuser ihrer Bewohner. Der Boden hier liefert das ideale Rohmaterial zum Brennen von Ziegeln, dennoch hin und wieder, vereinzelt rot, strohgedeckte Lehmhuetten.
Wir fahren die Anhoehe zur Kirche und zum Pfarrhof hinauf, der sich hier inmitten der kleinen Haeuser eher wie ein Gutshof ausnimmt. Es ist ein vierkantiges, eher kaltes, altes Herrenhaus aus roten Backsteinziegeln umgeben von einem weitlaeufigen Garten. Hier werde ich vorerst wohnen, bis das Gaestehaus frei ist.
Schon im Garten nimmt mich Sr. Can liebevoll in Empfang. Sie kost und herzt mich und haengt mir als Willkommensgruss eine gelbgruen schillernde Girlande um, was hierzulande Brauch ist.
Karibu! Herzlich willkommen! sagt sie immer wieder und drueckt mich warm und liebevoll an ihr Herz.
Liebevoll hat sie auch mein Zimmer hergerichtet. Zwei grosse bunt bluehende Blumenstoecke rechts und links neben der Tuer weisen mir den Weg in meine Kammer, an der Tuer aussen die Nummer 4. Das karge Innere, ein Bett, ein Tisch, ein Kasten und ein Schrank aus schwerem altem Holz, hat sie mit weissen Tuechern geschmueckt. Auf dem Tisch ein Blumenstrauss, afrikanische Lilien, die Bettlaken aus der eigenen Mitgift.
Oben im ersten Stock im grossen Esszimmer nehmen wir meine erste Mahlzeit in der neuen Heimat ein. Fr Jon, der Herr des Hauses, Fr Even, sein Freund, Pfarrer der Nachbarpfarre, Fr. George, der Hilfspfarrer, Sr Can und meine Wenigkeit, ich, Kristina, so wie ich hier von Anfang an genannt werde.
Ich bin wirklich in einer Maerchenwelt angekommen. Der Tisch ist gedeckt. Schweigend und knicksend servieren die Maedchen den Herrschaften, was die Koechinnen an der Feuerstelle in der schwarzen, verrussten Kueche Gutes vorbereitet haben: Reis, Kartoffeln, ein paar Stuecke Schweinefleisch in roetlicher Bratensauce, Ugali, ein Laib aufgekochter fester Maisbrei mit dem Aussehen eines Strudelteigs vor dem Rastenlassen, und die gruenen gekochten Bitterkraeuter, alles in eigenen stahlfarbenen Toepfen. Dazu gibt es Bier, die Sorten Safari oder Kilimandscharo zur Auswahl, Coca Cola oder Fanta. Als Nachspeise Papayas und die kleinen Bananen. Es schmeckt vorzueglich!
Vorzueglich weiss auch der Gastgeber, Fr. Jon seine Gaeste zu unterhalten. Sofort ist er Mittelpunkt der Tischgesellschaft. Gleichwohl mit Witz und mit Charme weiss er zu erzaehlen, oder auch mit interessiertem Verstaendnis zuzuhoeren, wie es die Gegebenheiten gerade verlangen. Seine Rede ist voll Begeisterung und Lebenslust. Der Schalk in seinen Augen sprueht Funken. Unweigerlich zieht er seine Zuhoerer in sein Bann und bringt uns mit seinen Spaessen allesamt zu herzlichem Lachen. Ein Meister der Unterhaltung!